II. Fachtag „Interkulturelles Ehrenamt. Unter dem Motto: Zusammen weiter: inspirieren | kooperieren | integrieren hatte das Interkulturelle Ehrenamtsbüro Ravensburg am Samstag, den 28. September in das Haus am Stadtsee in Bad Waldsee eingeladen.

Notizen zum II. Fachtag „Interkulturelles Ehrenamt“

Den Austausch geleitet haben Sarah Kasseckert (Ehrenamtscoach IKEHRA Ravensburg) und Corinna Waffender (Interkulturelle Kommunikationstrainerin und Moderatorin im Auftrag von IKEHRA Ravensburg). Teilgenommen und diskutiert haben ehrenamtlich und hauptamtlich Tätige in der Integrationsarbeit in der Region.

Welchen Fragen haben wir uns genähert?

Nach einem Input von Corinna Waffender, der aufzeigte, wie viele Personen im Raum sich sowohl hauptamtlich als auch ehrenamtlich engagieren, teilten die Anwesenden Ihre Ideen zu den Begriffen „Zusammen“ und „Weiter“:

Wie stehen sich Ehrenamt und Hauptamt in der Integrationsarbeit gegenüber?

Im Plenum erarbeiteten die Teilnehmenden Parameter, um ehrenamtliche und hauptamtliche Tätigkeit zu vergleichen. Als praktische Schnittstellen benannten die Teilnehmenden vor allem die Einzelfall-Zusammenarbeit, sowie Anlässe zum Austausch und zur Klärung von Sachverhalten.

Hier trat das Thema Kommunikation mit drei Herausforderungen in den Fokus:

  • Streit-Kultur
  • Struktur von Treffen
  • Kommunikationsformen

Was bringt uns die Auseinandersetzung mit unserem Kommunikationsverhalten?

Mehrfach wurde darauf hingewiesen, dass die Qualität von (jeglicher) Zusammenarbeit von der Art und Weise abhängt, wie kommuniziert wird – etwa transparent und wertschätzend. Speziell auf interkulturelle Begegnungen in der Integrationsarbeit bezogen, erläuterte Corinna Waffender dazu die Ambiguitätstoleranz:

Ambiguitätstoleranz (v. lat. ambiguitas „Mehrdeutigkeit“, „Doppelsinn“ und tolerare „erdulden“, „ertragen“), teilweise auch als Unsicherheits- oder Ungewissheitstoleranz bezeichnet, ist die Fähigkeit, mehrdeutige Situationen und widersprüchliche Handlungsweisen zu ertragen. Ambiguitätstolerante Personen sind in der Lage, Ambiguitäten, also Widersprüchlichkeiten, kulturell bedingte Unterschiede oder mehrdeutige Informationen, die schwer verständlich oder sogar inakzeptabel erscheinen, wahrzunehmen, ohne darauf aggressiv zu reagieren oder diese einseitig negativ oder – häufig bei kulturell bedingten Unterschieden – vorbehaltlos positiv zu bewerten.

Definition nach Wikipedia 10/2019

Wie lässt sich wertschätzende (interkulturelle) Kommunikation üben?

Sarah Kasseckert wies darauf hin, dass im Rahmen des Angebots von IKEHRA (gefördert durch Aktion Mensch) die Möglichkeit besteht, Seminare und Mini-Workshops zu besuchen:

  • Wertschätzende Kommunikation
  • Interkulturelle Kompetenz
  • Traumasensible Integrationsarbeit

Diese von Frau Waffender angebotenen Trainings für Ehrenamtliche und Multiplikator*innen sind 100% kostenfrei und können noch bis Juli 2020 von Einzelpersonen und Helferkreisen / Vereinen / Initiativen gebucht werden. Mehr Information: vielfalt@interkulturelles-ehrenamtsbuero.de oder (0751) 36630-8080 oder direkt Corinna Waffender: 0171-2836685

Welche gemeinsamen Ziele haben wir ausgemacht?

Die Frage, ob nicht „einfach“ die Integration von Geflüchteten als gemeinsames Ziel von hauptamtlich und ehrenamtlich Tätigen betrachtet werden könne, wurde kontrovers erörtert und festgestellt: Es gibt zum einen unterschiedliche Definitionen von Integration und zum anderen andere Ziele wie etwa Partizipation oder Inklusion – dies hängt von der individuellen Haltung zum Thema Vielfalt/Diversität in Gesellschaft und dem persönlichen/beruflichen Auftrag ab. Als Beispiel, wie hier Zusammenarbeit gelingen kann, nannte eine Teilnehmerin die Einbindung von Ehrenamtlichen bei der Erstellung (Integrations-)Konzepten. Die Teilnehmenden waren sich einig, dass sich neben und konstruktivem Austausch weitere Ziele ausloten lassen:

Wie können wir zielführend Projekte realisieren?

Zum Thema „Mittel akquirieren“ lag besonderes Augenmerk auf der Förderung von Frauen und Mädchen. Teilnehmende berichteten aus der Praxis, vereinzelt wurden schwindendes Engagement und knappe Gelder beklagt. Neue ehrenamtliche Projektideen können jedoch weiterhin mit hauptamtlicher Unterstützung realisiert werden, dies bestätigten die zuständigen Anwesenden. Dies müsse nicht immer durch Geldmittel erfolgen, sondern könne auch städtische Räumlichkeiten oder PR betreffen. Explizit Fördergelder können jederzeit mit Unterstützung gestellt werden: Entsprechende kostenfreie Workshops, Vorträge und gezielte Beratung bietet IKEHRA vor Ort (Helferkreise / Vereine / Initiative) auch in Kooperation mit Städten und Gemeinden an (z.B. seit 2017 in Bad Waldsee).

Was hat der Fachtag gebracht?

Die Teilnehmenden werteten es positiv, sich mit „frischem Blick“ der ehrenamtlichen und hauptamtlichen Zusammen zu nähern und in persönlicher Runde über Gemeinsamkeiten, Unterschiede und Herausforderungen ins Gespräch zu kommen. Der Versuch „über den Tellerrand hinauszublicken“, hat bereits beim gemeinsamen Imbiss und im Anschluss an den Fachtag Früchte getragen: Neue Kooperationen und Angebote haben sich ergeben – etwa Workshops für Ehrenamtliche in Aulendorf und die Unterstützung für ein Frauen-Tanzprojekt.

Der Erfolg des bewusst klein gehaltenen Formats zeigte sich für die Veranstaltenden in der persönlichen und offenen Atmosphäre: Trotz komplexer Themen wurde viel zusammen gelacht!