Grenzen im Denken auflösen

Von |05.12.2017|interkulturell|
  • Diskussionen in Arbeitsgruppen im Hörsaal der Hochschule

Bereits seit der Einführung des Studiengangs Soziale Arbeit im Jahr 1981 existiert der Tag der Praxisanleitung an der Hochschule Ravensburg-Weingarten. Dabei kommen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus den Einrichtungen und Institutionen, an denen Studierende ihr Praxissemester leisten, an der Hochschule zusammen. Der Tag der Praxisanleitung am 21. November 2017 thematisierte die Herausforderungen der Kommunikation zwischen Menschen aus unterschiedlichen Kulturen. Auch das Interkulturelle Ehrenamtsbüro war als Gesprächspartner dazu eingeladen.

Ein Gastbeitrag von Katharina Koppenhöfer, Hochschule Ravensburg-Weingarten

Wissenschaft und Praxis miteinander verbinden:
Das Ziel des Tags der Praxisanleitung

„Ohne die Praxisanleiter und Praxisanleiterinnen könnten wir die Studierenden nicht so gut ausbilden“, begrüßte Hochschulrektor Professor Dr. Thomas Spägele die Teilnehmerinnen und Teilnehmer und brachte damit die enge Verbundenheit der Hochschule mit den sozialen Einrichtungen in der Region zum Ausdruck. Und der Dekan der Fakultät Soziale Arbeit, Gesundheit und Pflege, Professor Dr. Wolfgang Wasel pflichtete bei: „Sie geben unseren Studierenden die Möglichkeit, sich in der Praxis zu engagieren und die unterschiedlichen Facetten der Sozialen Arbeit hier in der Region kennenzulernen. Dafür sind wir sehr dankbar.“

Alexandra Wahl (li.) brachte ihre Erfahrungen als Ehrenamtscoach für das Interkulturelle Ehrenamtsbüro mit ein.

kleine Diskussionsrunde

In Zeiten der Globalisierung gibt es wohl kaum ein bedeutsameres Thema als die interkulturelle Kommunikation. Am Tag der Praxisanleitung wurde ausführlich darüber diskutiert, wie es möglich ist, die unterschiedlichen Kulturen ins Gespräch zu bringen und zur gegenseitigen Akzeptanz beizutragen. Auch im neuen Masterstudiengang Angewandte Sozialarbeitswissenschaft beschäftigen sich die Studierenden damit, wie Teilhabe und Inklusion zum Beispiel mit Geflüchteten, Menschen in Arbeitslosigkeit oder mit Behinderung in unserer sich wandelnden Gesellschaft gelingen kann.

Durch Missverständnisse entstehen Grenzen

„Kulturelle Muster sind nicht angeboren, sondern beruhen auf Übereinkunft und Tradition. Problematisch wird es, wenn sich aus dem Stolz auf eine Kultur ein Überlegenheitsgefühl entwickelt, denn dann können Grenzen entstehen, die sehr stark bewacht werden. Allerdings können wir diese Grenzen auflösen, wenn wir sie uns bewusst machen“, erklärt Petra Radlow in ihrem Vortrag. Sie ist ausgebildete Krankenschwester, hat Gesundheitsförderung an der Hochschule Ravensburg-Weingarten studiert und arbeitet als Familientherapeutin und Lehrbeauftragte. Da jeder Mensch eine eigene kulturelle Identität besitze, könne es auch zwischen Menschen aus dem gleichen Kulturkreis Schwierigkeiten in der Kommunikation geben.

Strukturierte Diskussion mit Experten aus der Praxis

Diskussionsrunde beim Tag der Praxisanleitung

Anregende Atmosphäre: Wissenschaft und Praxis im Dialog

Am Nachmittag fanden die Workshops zu den Themen „Interkulturelle Kommunikation in der Pflege“ und „Interkulturelle Kommunikation in der Sozialen Arbeit“ statt. Dabei konnten die Studierenden in einer strukturierten Diskussionsrunde den Experten aus der Praxis ihre Fragen stellen. Beteiligt waren Andreas Bleicher, Landratsamt, Amt für Migration und Integration Ravensburg, Katharina Grünvogel, Arkade Jumega Ravensburg und Gisela von Maltitz, exilio e.V. Lindau. „Professionell agierende Sozialarbeiter und Sozialarbeiterinnen sind durch ihr Studium gut vorbereitet auf die Herausforderungen verschiedener Kommunikationsproblematiken. Grundhaltungen wie Empathie, Wertschätzung und Echtheit ermöglichen ein aufeinander Zugehen und sind förderlich für das Finden konstruktiver Lösungen. Interkulturelle Kommunikation ist ein fortwährender Prozess, in dem Selbstreflexion notwendig ist“, fasst Professorin Dr. Annerose Siebert, Leiterin des Praxisamtes Soziale Arbeit, die Ergebnisse der Workshops zusammen.

Der Bericht ist zunächst auf der Website der Hochschule Ravensburg-Weingarten erschienen.