Essen und ein Platz zum Bleiben, das ist für Menschen, die innerhalb ihres Heimatlandes vertrieben werden oder sich als Flüchtlinge in einen Nachbarstaat retten, die sogenannte humanitäre Hilfe. Corinna Kreidler kennt nicht nur die Länder, in denen humanitäre Hilfe nötig ist, sondern auch die finanziellen und politischen Hintergründe. Am 6. Juni 2019 war sie auf Einladung des Interkulturellen Ehrenamtsbüros in Ravensburg und hielt eine informativen Vortrag.

Humanitäre Hilfe in afrikanischen Krisengebieten

Schätzungsweise 68,5 Millionen Menschen sind auf der Flucht, berichtet Corinna Kreidler. Fluchtursache: Krieg und Gewalt. Insgesamt sollen es sogar 135,7 Millionen Menschen sein, die humanitäre Hilfe benötigen, denn es kommen noch Naturkatastrophen, Hunger und Armut hinzu. Doch nur rund 90,9 Millionen  erreichen die Unterstützungsleistungen.

Mehr als 13 Jahre lang hat Corinna Kreideler in afrikanischen Krisenländern wie Angola, Mosambik, Liberia, Sudan und Kongo gelebt. Dort hat sie für Nichtregierungsorganisationen und für die Europäische Kommission gearbeitet. Ihre Hauptaufgabe bestand darin, vor Ort die Regierungsbudgets für humanitäre Hilfe zu verwalten, d.h. Projektanträge zu prüfen, Projekte während der Umsetzung zu besuchen und die Fortschritte in der Hilfe zu beobachten. Deshalb weiß sie aus erster Hand, wie humanitäre Hilfe funktioniert.

Unter den 20 Ländern, die sich 2016 finanziell am stärksten beteiligt haben, waren die Türkei, die USA, Deutschland und Großbritannien. Interessant zu wissen ist, dass Ausgaben für humanitäre Hilfe im eigenen Land im ersten Jahr miteingerechnet werden dürfen. Der größte Empfänger der humanitären Hilfe war in jedem Krisenjahr Syrien, gefolgt vom Jemen und dem Irak.

Essen und ein Dach über dem Kopf

Humanitäre Hilfe kommt zum Einsatz, wenn Opfer von Natur- und Hungerskatastrophen, Kriegen etc. so schnell wie möglich versorgt werden müssen. Das unterscheidet sie von der Entwicklungshilfe, die auf einen langen Zeitraum angelegt ist und oft den strukturellen Aufbau eines Landes miteinschließt.

Humanitäre Hilfe sind zum Beispiel Essenpakete, deren Lieferungen wir aus dem Fernsehen kennen. Allerdings haben diese Hilfslieferungen häufig einen politischen Aspekt, sie sind sehr medienwirksam. Corinna Kreidler berichtet, man sei längst dazu übergegangen, in den Flüchtlingscamps Wochenmärkte zu initiieren. So könnten die Menschen selbst entscheiden, was sie brauchen, natürlich je nach Angebot. Bezahlt würde die Ware durch Essensmarken, beziehungsweise eine Art Scheckkarte, auf dem Einkaufspunkte verbucht sind. Zu glauben, in Krisengebieten gäbe es nichts zu essen, sei ein Trugschluss: „Häufig ist das Nahrungsangebot nur nicht ausgeglichen und in einem anderen Teil des Landes gibt es sehr wohl zu essen“.

Auch in Deutschland ist Corinna Kreidler in der Flüchtlingshilfe aktiv: „Als ich hörte, dass 184 Geflüchtete in einer Stadthalle unterkommen sollten und die Bürger der Stadt das als sehr viel empfanden, musste ich schon etwas schmunzeln. In meinen Job rechnen wir nur in 10 000er Schritten.“ Dennoch ging ihr die Situation der Geflüchteten, sehr ans Herz, fast mehr als sonst. „Vielleicht weil es dieses Mal anders war. Ich habe nicht mal 3 km Luftlinie von dieser Halle entfernt eine schöne Wohnung und alles was ich brauche.“

Corinna Kreidler ist seit 1996 in der humanitären Hilfe in Mosambik, Angola, Liberia, im Sudan und Kongo tätig. Lange Zeit hat sie bei verschiedenen Hilfsorganisationen an der Basis gearbeitet und Projektanträge für Hilfsangebote in Krisengebieten gestellt. Heute ist sie selbstständig und vergibt für verschiedene Auftraggeber wie die britische Organisation UK Aid Direct Gelder, wie aktuell nach der Naturkatastrophe durch den Zyklon Idai in Mosambik.