Fremdheit der Sprache

Bei der ehrenamtlichen Arbeit mit Geflüchteten hören Sie viele Sprachen. Manchmal fühlt es sich an, als wären Sie direkt in Babylon gelandet. Ungewohnte Zischlaute, Schnalzen und gutturale Sprachfetzen gelangen an Ihr Ohr. Was meinen Sie, wie fremdartig unser Deutsch für Menschen aus anderen Regionen dieser Welt klingt.

Sie selbst haben vermutlich Grundkenntnisse in Englisch, oder Sie können sogar mehr. Wer Abitur hat oder Auslandserfahrung, kann sich oft richtig gut in Englisch oder Französisch ausdrücken, manche auch in Spanisch. Einige von uns sprechen türkisch oder arabisch, einfach weil es die Familiensprache ist. Aber wissen Sie noch, wie langwierig und manchmal mühsam der Sprachunterricht in der Schule war?

Erwachsene Geflüchtete haben die Schulzeit lange hinter sich gelassen. Nun sollen sie hier bei uns wieder sitzen und lernen, Übungen und Hausaufgaben machen. Ihren Kindern fällt das Deutschlernen dagegen leicht. Das liegt am kindlichen Gehirn, dass darauf geeicht ist, Sprache abzuspeichern und fehlerfrei zum Einsatz zubringen. Doch schon nach dem Ende der Grundschule wird es mühsam: Vokabeln pauken, Grammatikregeln verstehen und üben, üben, üben. In der Forschung gibt es übrigens Streit darüber, ob Erwachsene eine Fremdsprache lernen können. Die einen sagen, das sprachliche Lernvermögen ist irgendwann vorbei, die anderen sagen, zum Lernen ist es nie zu spät. Aus eigener Beobachtung wissen wir das doch auch: Wer will, lernt wenigstens noch die wichtigsten Wörter, um sich zu behelfen.

Lob für die kleinen Fortschritte

Dankenswerter Weise haben es sich hier in Ravensburg und Umgebung viele Ehrenamtliche zur Aufgabe gemacht, Geflüchteten Sprachunterricht zu erteilen. Dafür gibt es eine große Zahl an Hilfsmitteln, die Sie kostenlos aus dem Internet herunterladen können. Einen Überblick über die Angebote haben wir in unserer Linksammlung für Sie zusammengestellt. Sie können aber auch jeden Mittwoch in unsere Deutschsprechstunde kommen. Wir bauen Sie emotional wieder auf, wenn Sie mal nicht mehr weiter wissen. Denn Sprachvermittlung kann frustierend sein. Wir besprechen, wo es hakt, und wie sie wieder mit Freude unterrichten.

Überlegen Sie noch, ob Sie sich überhaupt mit Deutschunterricht engagieren wollen? Dann schauen Sie, was die Studentin Kato aus Tübingen in ihrem Blog dazu schreibt. Sie hat einen Leitfaden zusammengestellt: „Wie starte ich einen Deutschkurs für Flüchtlinge?“ Weil die junge Frau schon so viele lustige und lehrreiche und gelegentlich auch recht anstrengende Unterrichtsstunden durchlebt hat, möchte sie ihre Begeisterung weitergeben. Lassen Sie sich davon anstecken. Viel zu oft müssen Geflüchtete viel zu lange auf einen Kurs warten, weil es nicht genügend Angebote gibt.

Sprache verbindet

Oder schauen Sie sich die Deutschlehrtipps von Professor Hermann Funk an, den haben sie schon auf unserer Startseite kennengelernt. In acht weiteren Sprachlern-Videos bringt er in nur wenigen Minuten die Dinge auf den Punkt.

Denken Sie daran: Wenn wir erstmal eine gemeinsame Sprache gefunden haben, dann können wir unsere Erfahrungen und die Geschichten unseres Lebens miteinander teilen. So wie das die guten Leute vom Fotowettbewerb auch berichten: Tolle Begegnungen, die sie als Bereicherung erlebt haben.