Deutsch unterrichten, bei den Hausaufgaben helfen, auf Prüfungen vorbereiten: die Pandemie erschwert es, Lernende live zu treffen und zu unterstützen.

Tipps aus der Praxis

Meine Kollegin Corinna Waffender ist Coach, Trainerin und Expertin in interkultureller Kompetenz. Ich habe sie gefragt, worauf Sie achtet, wenn sie Menschen online begleitet oder schult.

Corinna, welche Tipps hast du für uns?

Ich finde es wichtig, die Erfahrung der Einzelnen mit dem jeweiligen Medium im Auge behalten. Viele Faktoren tragen dazu bei, dass Menschen mehr oder weniger offen für Online-Formate sind: Alter, Erfahrung, Übung, Sprachkenntnisse, Zugänge, Geräte spielen eine Rolle. Und zwar bei allen Beteiligten – Teilnehmende, Lehrkräfte, Fachkräfte, Ehrenamtliche. Bevor ich live-online gehe, kläre ich genau ab, was digital wirklich geht – technisch und persönlich. Sonst ist es frustrierend. Ich erlebe immer wieder: Klappt die Verbindung und sind wir erstmal zusammen mit Bild und Ton „drin“, macht es meistens soviel Spaß, dass wir dabeibleiben.

Wie klärst du das denn ab?

Ich frage vorher genau nach, telefonisch, über E-Mail oder Messenger: Hast du ein Handy, ein Tablet, nutzt du einen Computer? Hast du stabiles Wlan, reichen deine Daten, lässt dein Server die Software zu, die wir nutzen wollen, brauchst du eine App? All das sind Voraussetzungen, damit Online-Meetings gut gelingen. Bei den meisten Herausforderungen kann ich helfen und die Teilnahmebedingungen optimieren. Es braucht Geduld, Lust auf Problemlösung und eine gewisse digitale Kompetenz, um online zu wirken.

Und wenn man diese digitale Kompetenz nicht hat oder will?

Lebenslanges Lernen! (lacht) Auch ich habe natürlich Schulungen besucht, damit ich dieses Wissen jetzt in Workshops weitergeben kann. So wie du es ja auch hier bei IKEHRA für geflüchtete Menschen und Ehrenamtliche tust. Wer die erste Hürde und die Berührungsängste überwindet, lernt sehr schnell, sich in digitalen Räumen zu bewegen. Und wer darauf so gar keine Lust hat, muss zumindest im Ehrenamt ja nicht online unterstützend wirken. Denn hier sind wir doch absolut freiwillig unterwegs und warum sollten wir etwas tun, was wir nicht mögen? Wer aber Lust hat, den eigenen Horizont zu erweitern, hat spannende Lernfelder vor sich. Denn eines ist sehr klar: in Bildung und Ausbildung ist digitales Knowhow eine Zukunftskompetenz. Je mehr Praxis gerade Geflüchtete darin bekommen, umso besser für Ihre beruflichen Chancen.

Was, wenn Geflüchtete kein Wlan haben oder Hardware fehlt?

Ich habe in den letzten Monaten vielerorts bei Aktionen mitgewirkt, um gute Zugänge sicherzustellen. Indem ich meine eigenes Wlan mit anderen teile, oder meine Räumlichkeiten zur Verfügung stelle und mich selbst andernorts einlogge. Oder durch Kooperationen mit städtischen Einrichtungen, zum Beispiel überdachte Hotspots mit Sitzgelegenheiten. Und natürlich die Ausstattung von Unterkünften mit Hochgeschwindigkeits-Wlan – für mich persönlich übrigens ein Grundrecht. Toll ist auch eine Initiative, die Geflüchtete über Spenden mit preisgünstigen Neugeräten samt mobiler Daten ausstattet. Bei alldem reden wir hier von digitaler Teilhabe, ohne die es keine gesellschaftliche Teilhabe mehr geben kann.

Meinst du damit auch digitale Barrierefreiheit?

Unbedingt. Dazu gehören im interkulturellen Kontext auch die Anpassung von Tool-Inhalten und das weite Feld der digitalen Kommunikation. Übrigens auch wieder auf allen Seiten. Wie bereiten wir Lernstoff auf, wie präsentieren wir uns online, welche Regeln brauchen wir, um uns sicher und gut zu fühlen? Digitales Arbeiten fordert die Sinne enorm und ermüdet schneller. Das kennen viele von uns inzwischen ja auch aus dem Homeoffice. Kommen dann noch Sprachbarrieren und Verständnisschwierigkeiten dazu, heißt es: Tempo raus, Pausen rein, weniger ist mehr. Insgesamt glaube ich, sollten wir unsere Ansprüche herunterschrauben, wenn es um die digitale Lernbegleitung geht. Wir lernen an dieser Stelle alle und zwar immer weiter!

Gerne unterstützen wir Sie bei der Lernbegleitung – in Einzelgesprächen, im Lerncafé oder bei unserem virtuellen Stammtisch.